Die 2020er als Chance

ErdgitternetzWie innen, so außen

Unsere geistigen Prozesse beeinflussen unser Handeln und unser Handeln prägt das Weltgeschehen. Wir können daran ablesen, in welchen geistigen Prozessen sich die Menschheit aktuell befindet: Im Dekadenwechsel der 2020er. Diese wandlungsreiche Zeitqualität war also voraussehbar. Beispielsweise durch die Prognosen der »Academy of Mind«. In ihrem »Zukunftsprojekt« zeigten sich die 2020er Jahre als entscheidend. Hier werden demnach die Weichen für die menschliche Bewusstseinsentwicklung gestellt. Diese wiederum beeinflussen das Weltgeschehen des gesamten 21ten Jahrhunderts. Die Welt ist im Wandel, und wie das Ergebnis ausfällt, hängt von uns ab. Übernehmen wir die Verantwortung für unser Denken und Handeln? Oder geben wir sie (weiterhin) bereitwillig an Andere ab?

Es wird angeblich nicht bei aktuellen Krisen wie »Corona« bleiben. Auch künftig erwarten uns ähnliche Herausforderungen. Durch sie werden wir mit dem Unterschied zwischen Realität und Darstellung derselben konfrontiert. Es werden uns auch »Weltuntergangsszenarien« angeboten. In gewisser Weise gibt es sie tatsächlich, wenn es auch nur unsere »Weltbilder« betrifft. Überzeugungen geben uns Sicherheit, Prämissen weisen uns gern den Weg. Die Wenigsten von uns können sich leicht vom Gewohnten trennen, weshalb wir Veränderungen gerne verdrängen. »Bald wird alles wieder normal« denken wir. »Das ist alles übertrieben« sagen wir. »Das hat schon seine Richtigkeit« hoffen wir. Die Welt geht jedoch ständig unter und neue Epochen brechen an: Aufstände, Revolutionen, Bürgerkriege.

Es bleibt zu hoffen, dass wir in diesem Fall mit unseren alten Traditionen brechen und uns gegen den gewaltsamen Wandel entscheiden. Die Zukunft liegt in unseren Händen. Der Punkt ist nur, wohin soll es gehen? Diese Frage lässt sich derzeit in allen Augen ablesen (Nase und Mund sind aktuell ja verdeckt).

Kapitel 1/3 – Polarität

Krieg der Weltbilder

Der Bürgerkrieg des 21ten Jahrhunderts wird nicht mit physischen Waffen ausgetragen. Es ist eine Bewusstseinsschlacht, ein Informationskrieg. Denn wir beginnen heute im großen Maßstab, das Weltgeschehen zu hinterfragen. Doch das war nicht immer so: Es ist nicht lange her, als wir vorgegebenen Weltbildern noch vertrauten. Bilder, die verdaulich »nachgerichtet« wurden. Heute erlaubt uns das Internet eigenständige Recherchen. Wir sind also nicht mehr völlig von den klassischen Nachrichtenquellen abhängig. Dass die öffentlichen Medien dadurch ihren Einfluss verlieren, ist eine Sache. Die andere ist, dass Unstimmigkeiten deutlich schneller auffliegen. Meinungsmache, nachbearbeitete Bilder, Zensur von relevanten Informationen, abweichende Zeugenaussagen etc…

Die Berichterstattungen zu 9/11 stellten ein Paradebeispiel dafür dar. Die öffentliche Kritik daran ist damals wie heute brenzlig. Wenn wir uns damit beschäftigen, haben wir vor allem mit Rufmord zu kämpfen. Schnell bekommen wir dann Titel wie »Aluhutträger« oder »Verschwörungstheoretiker«. Richtig übel wird es, wenn unterstellt wird, sich in politisch extremen Randgebieten aufzuhalten. Diese Maßnahmen sind aus Sicht der etablierten Medien nachvollziehbar. Denn aus der Kritik an den offiziellen Narrativen ist inzwischen eine globale Bewegung geworden. Eine, die die Deutungshoheit der bis dato etablierten Medien gefährdet. Vor zehn Jahren handelte es sich lediglich um eine kleine Minderheit von belächelten oder gar ignorierten »Spinnern«. Aus der Ignoranz oder milden Belächelung wurde in den letzten Jahren eine offene Bekämpfung.

Trojanische Pferde

Wir wissen: Die Zukunft liegt in unseren Händen. Wir stehen auf und erwehren uns der Ungerechtigkeiten, vom Denker bis zum Demonstranten. – Oder ist es heute einfach nur »hip«, dem Öffentlichen narrativ zu widersprechen?

Ja, das ist es.  Viele folgen diesem »Trend« aus dem Bedürfnis heraus, einer Autorität zu widersprechen. Wir genießen das Gefühl, die Kontrolle über etwas zu haben. Oft ist dann das kritisierte Thema eher zweitrangig. Es geht dann nicht darum, wirklich etwas verändern oder verstehen zu wollen. Sondern darum »dagegen« zu sein. Hier sind die Fakten oder andere Meinungen irrelevant. Das angelernte Konsumverhalten gegenüber der öffentlichen Medien, wird stumpf übertragen. Natürlich nur auf jene Medien, die die eigene Meinung stützen. Diese »Repeater« tragen teils abstruseste Geschichten ungeprüft weiter. »Repeater« und Kritiker werden dabei gerne in einen Topf geworfen. Dadurch kann die Glaubwürdigkeit von nachvollziehbaren Argumenten ohne weiteres lächerlich gemacht werden. Und niemand prüft diese nach, weil sie offensichtlich »Verschwörungsquatsch« sind. Sollten wir nun sauer auf diese »Repeater« sein? Nein, definitiv nicht. Denn wir »repeaten« alle hin und wieder. Gefällt uns eine Fremdmeinung, stimmen wir dieser natürlich zu. Wir müssen daher immer wieder unsere persönlichen Annahmen überprüfen.

Mit der Nachfrage steigt heutzutage auch das Angebot an Informationsquellen. Allerdings ist nicht immer drin, was draufsteht: Hinter dem Etikett verbergen sich nicht selten Profitabsicht, Egozentrik, gesellschaftliche oder politische Einflussnahme. Aber auch positive Themen, wie Nachhaltigkeit, Aufklärung oder Gesundheit.  Dennoch sind und bleiben es »trojanische Pferde«, wenn Meinungen bzw. Meinungsmache als Fakten verkauft werden.

Tretminen

Niemand von uns ist gefeit, auf trojanische Pferde reinzufallen. Besonders wenn wir uns in ein neues Themengebiet hineinwagen. Wir können wir nicht darauf vertrauen, dass alle geteilten Informationen ohne Fehler sind. Deshalb ist hier ein Umdenken notwendig: Reines, passives Konsumieren von Informationen, macht uns nicht zum Profi in einem Bereich. Wir müssen uns aktiv, im besten Fall selbstkritisch mit den Informationen auseinandersetzen. Wie leicht wir trotzdem in die Falle tappen können, wollen wir anhand zweier Beispiele darstellen:

Für dieses Beispiel nehmen wir mal die Position einer fiktiven Person ein: Wir sind neugierig auf die Welt und die Geheimnisse, die sie birgt. Uns gefällt das Gefühl, in unserer Gesellschaft gebraucht zu sein. Dementsprechend hegen wir ein großes Mitgefühl für unsere Mitmenschen. Und ja, zugegeben, wir sind auch manchmal recht emotional – warum auch nicht? Geht es im Leben nicht genau darum – um unsere Gefühle? Wir haben keine Vorurteile, jeder darf denken, wie er möchte, sofern niemandem geschadet wird.

Allerdings fragen wir uns, wo unser Platz in dieser Welt ist. In den meisten, klassischen Religionen jedenfalls nicht, denn sie geben Grenzen vor, die uns das Gefühl geben »eingesperrt« zu sein. Wir dürften nicht über uns selbst hinauswachsen und ein Leben in ständiger Demut verliert irgendwann auch seinen Reiz. »Wer also bin ich?« – Diese Frage beschäftigt uns fortan.  Also gehen wir auf Entdeckungstour. Und schnell werden wir fündig. Wir stolpern über viele Sprüche wie »Sei in diesem Moment«, »Nur alte, erfahrene Seelen, suchen den Sinn«. Solche Sprüche schmeicheln uns natürlich, denn sie geben uns einen höheren Wert – als es z.B. unser Arbeitgeber je tun würde. Wir betreten schleichend die Welt der Esoterik. Der Begriff »Esoterik« bedeutet (ursprünglich) »Innenschau«. Also Selbsterkenntnis und -Reflexion. Genau das was wir haben wollen, denn die Frage »Wer bin ich?« könnte sich hierdurch beantworten.

Was hilft bei der Selbsterkenntnis? Achtsamkeit, Meditation, Ruhe, philosophische Gedanken und Gespräche. Vielleicht auch inspirierende Texte. Kleine Tools, die uns im Alltag an unsere Achtsamkeit erinnern, ein Armband etwa. Ein Edelstein, der unsere Meditation vertiefen soll – wer weiß, vielleicht hilfts ja. Verzicht auf unethische Lebensmittel. Ein Vorbild, nach dem wir uns richten können. Ein Regelwerk, dem wir folgen. Bald schon Teilen wir unsere eigenen Erkenntnisse anderen mit. Bedauern vielleicht, dass wir nicht verstanden werden – klar, die haben sich ja auch nicht mit den höheren Sphären beschäftigt. Also suchen wir Rat in eben jenen Sphären; Geister, Engel, unserem höheren Selbst. Wir spüren, dass wir stark im Inneren sind, dass wir Recht haben. Dass wir etwas Besonderes geworden sind – oder schon immer waren. Wir können möglicherweise sogar andere Menschen heilen, allein mit unserer Vorstellungskraft. Möge Liebe den Geist des anderen durchströmen. Hat er danach gefragt? – Naja, vielleicht nicht – aber er kennt sich ja auch nicht so aus. Er spürt nicht, dass da etwas Böses an ihm haftet. Aber manche sind undankbar, beschimpfen uns sogar. Wie können die es wagen? Die, die sich nie mit der Seele beschäftigt haben, nie in die heiligen Sphären vorgedrungen sind. Bauern – allesamt! … Ups.

Szenenwechsel; Versetzen wir uns nun in die Perspektive eines »Truthers«. Wir mögen es, wenn sich Informationen logisch herleiten lassen. Die Welt lädt zum Begreifen ein. Und je komplexer es wird, umso befriedigender ist es, die Aneinanderreihung von Ursachen und Wirkungen verstanden zu haben. Und wie sagt man so schön? Wissen ist Macht – das heißt, wer versteht wie die Welt funktioniert, kann mit ihr interagieren. Sie sich zu Nutze machen – oder sich ggf. vor Ihr schützen. Ab einem gewissen Alter, werden für uns Themen relevant, die sich außerhalb des Privaten befinden. Steuern, Politik, Geld und Zinsen, bis hin zu öffentlichen Nachrichten zum Weltgeschehen. Je nachdem, wie unsere aktuelle Situation ist, widmen wir uns entsprechenden Themen besonders stark.

Wir stellen Fragen. Zum Beispiel: »Warum bleibt vom Gehalt so wenig übrig«? Der Wissensdurst treibt uns zur Recherche an. Wir lernen, wie sich die Steuern zusammensetzen und was davon alles bezahlt wird. Die Infrastruktur, Wasseraufbereitung, Einrichtungen der Öffentlichkeit, zum Beispiel die Feuerwehr. Bis hierhin klingt alles noch relativ in Ordnung. Seltsam wirds, wenn wir feststellen, dass wir die zweithöchste Steuerlast neben Belgien weltweit tragen. Dabei verwenden wir denselben Teer für die Straßen und trinken dasselbe Wasser, wie der Rest der Welt. Wen packt hier nicht die Neugierde? Also gehen wir der Sache weiter nach und stellen fest, dass wir die Instandhaltungskosten für bereits versunkene Schiffe bezahlen. Weniger witzig ist die Mitfinanzierung der Rüstungsindustrie anderer Länder, Milliarden-Konzerne, sowie Bankenrettungen etc… Wir schlussfolgern: »Wir werden verar***t!«. Je nach privatem Interesse bzw. Situation, gibt es viele »Eingänge in den Kaninchenbau«: Politische Wahlen, Bildungs-, Wirtschafts-, Gesundheitssystem, Arbeitsmarkt, Weltgeschehen (aktuelle Kriege bzw. Terroranschläge) etc… Und je nach dem, wie sehr wir unsere Recherchen nach außen Kommunizieren, erhalten wir bereits unsere ersten Titel; vom »Wutbürger« bis hin zum »Verschwörungstheoretiker«. Niemand beantwortet unsere Fragen, sondern bügelt unsere Bedenken mit Zurückweisung weg.

Lassen wir es gut sein? Oder fordern wir Gerechtigkeit? Der weitere Verlauf ist oft davon abhängig, wie tief wir bereits gegraben haben. Allem voran, wie stark wir uns in unseren Gefühlen und persönlichen Rechten verletzt fühlen. Wir versuchen also, einen Verantwortlichen ausfindig zu machen. Wir stellen fest, dass der Politiker X, mit dem Vorgänger Y über zwei Ecken verwandt ist. Y ist zudem aktiv in einer anderen »Branche«, die ebenfalls Dreck am Stecken hat. Und war da nicht auch die Rede von einem Treff, wo Y mit Z in Kontakt kam, kurz nachdem (!) Z verstorben ist? Und die Härte: X, Y und Z sind alle Mitglieder des Till-Eulenspiegel-Nachtclubs. Wow, das kann kein Zufall sein! Und hatte dieser Fernsehkoch nicht das gleiche Logo auf seiner Schürze? Verknüpfen wir jetzt noch Fälle von Kindesentführung und okkulte Rituale in denen Kinder verzehrt werden sollen, ist klar wo dieser Fernsehkoch zu verorten ist. Und alles deutet auf die New Pizza Order hin. Dieses Beispiel ist leider nicht überzogen, da ein kleiner Teil unserer »Fanpost« tatsächlich ähnliche Verknüpfungen vorschlägt. Dies ist keine Relativierung der NWO-Theorie, sondern zeigt lediglich auf, wie Korrelationen als gegebene Fakten angenommen werden, unabhängig von den Quellen.

Nebelgranaten

Natürlich würde niemandem von uns so etwas passieren. Schließlich sind wir »aufgeklärt« und wissen ganz genau, wann wir beginnen einem Dogma zu folgen, geschweige denn, eines vorzugeben (?). Hand aufs Herz; wer von uns lässt sich gern sagen, dass wir hier und da ein Unrecht haben? Und wer von uns geht noch einen Schritt weiter und erkennt es bei sich selbst? Wer von uns macht den finalen Schritt und arbeitet infolgedessen an sich? Das ist verdammt schwer. Schon allein deswegen, weil dies jeder westlichen Konditionierung und Erziehung widerspricht. »Schattenarbeit« nennt man das. Weil genau das grade am Anfang so schwer ist, ist es umso leichter, sich dem Gegenteil zu widmen:

Wir folgen ungeprüft jedem, der uns Bestätigung gibt (Nicht? Okay, welche Menschen haben wir denn gern um uns? Jene, die unserer Meinung sind – oder jene, mit denen wir ständig Konflikte haben?). Wir verlieren unsere unbewussten Ängste und Unsicherheiten aus den Augen. Während wir die selektive Wahrnehmung positiver Selbstbestätigung immer weiter steigern. Wir streben ein Überlegenheitsgefühl an. Schließlich sprechen wir hier von einer Einzelperson, die es geschafft hat, dass »All-Eine« zu durchblicken. Wie bei einer Droge, wollen wir dieses Gefühl nun immer wieder spüren. Wir erhöhen die Dosen und generieren immer abgefahrenere Theorien oder vermeintliche Erkenntnisse. Betroffene versinken auf diese Weise immer tiefer in eine paranoide, teils menschenfeindliche Weltanschauung. Aus Esoterikern werden so »Egoteriker«, aus Truthern Desinformanten. Und letzten Endes wird das All-Eine zum »alleine«.

Es geht längst nicht mehr darum, sich selbst oder eine Wahrheit zu finden, sondern das gebastelte Selbstbild gegen die Außenwelt zu verteidigen. Ein Selbstbild, dass durch entsprechende Medien kreiert wurde. Diese vermitteln entsprechende Gefühle, selektive Wahrnehmung und Auto- / Suggestionen. Der Markt dafür ist heutzutage riesig, wenngleich diese Trugbilder in den letzten Jahren immer besser erkannt werden.

Extreme erkennen

Wir wissen nun: Es gibt verschiedene Intentionen hinter den jeweiligen Informationsangeboten. Aktuell, im Jahr 2020, befindet sich der gefühlt gesamte Planet in einem Ausnahmezustand. Daher sind die Folgen dieser Informationspolitik besonders stark spürbar: Kollektive Unsicherheit. Je nach Informationsquelle herrschen Angst, Argwohn, Misstrauen, Hass, Aktionismus, Hysterie, Egozentrik aber auch Hoffnung und vieles mehr. Durch die aktuelle Vehemenz sind die Beweggründe von Individuen und Organisationen so transparent sichtbar wie nie zuvor. Sie und wir selbst vertreten immer extremere Ansichten. Und genau deshalb birgt diese Zeit ein enormes Entwicklungspotential. Denn sie zeigt uns, wo die bzw. unsere Mitte ist.

Extreme zeichnen sich dadurch aus, dass sie jeweils am äußersten Rand eines Kontextes stehen. Also am weitesten weg, von der Mitte, der ursprünglichen Informationsquelle: Schwarz (Extrem) – Grau (Original) – Weiß (Extrem). Am äußersten Rand geht es in der Regel nicht weiter, ohne den Kontext komplett zu verlassen.

Zudem gibt es dort die geringste Bewegungsfreiheit, was extreme Ansichten nachvollziehbar unflexibel macht. Zudem sind sie vollständig verhärtet und empathielos gegenüber der abweichenden Meinung. Die selektive Wahrnehmung von Extremen kann schädlich für uns selbst, und / oder für die jeweilige Gesellschaft werden. Wir sollten daher immer unsere Informationsquellen und eigenen Ambitionen prüfen. Nicht bloß im Außen schauen, sondern auch unser Inneres pflegen.

Kapitel 2/3 – Erkenntnis

Der Knackpunkt

Wir sind ständig informiert. Gut, des Öfteren eher halb- und manchmal schlicht desinformiert. Wir beschallen uns selbst; Social Media, YouTube, Nachrichten etc… Das aktuelle Weltgeschehen scheint sich täglich zu verändern. Wir wollen keine wichtigen Neuerungen verpassen und auf den aktuellen Stand der Dinge sein. Diese »Abhängigkeit« war bereits in den letzten Jahren nahe am Bedenklichen. 2020 scheint es für viele von uns fast schon zwanghaft zu werden. Was wir derweil nicht bemerken ist, dass diese Informationsflut unsere Handlungsfreiheiten beschränkt. Wie oft kommt eine »ganz wichtige Nachricht« an, die sofort beantwortet, geteilt oder geliked werden muss? Und das, was wir eigentlich grade machen wollten … äh, was war denn das nochmal?

Ui, da ist ja schon das nächste Update… Wie in einem Sturm zerren die äußeren Ereignisse an uns. Wir klammern uns an allen möglichen Dingen fest, um nicht hinfort gerissen zu werden. Wer kann es verübeln? Niemand mag wie »die fliegende Kuh« im Tornado umherwirbeln. Also tasten wir uns von einer Sache zur nächsten.

Was wir oft und gern vergessen: Die Welt dreht sich auch ohne uns weiter. Es ist kein Drama, sich vom Tornado zurückzuziehen. Die »Lockdown«-Situation muss nicht als Einschränkung verstanden werden. Sie kann eine Chance sein, genau das zu tun: Sich einfach mal ins Auge des Sturms zu setzen. Krisen brechen mit der Routine – und genau das ist die Gelegenheit, mit eigenen Routinen zu brechen: Sich mehr mit sich selbst zu beschäftigen. Der private oder berufliche Alltag kann endlich überdacht und das gewohnte Hamsterrad hinterfragt werden. Will ich bis zum Ende des Lebens (und das könnte schon morgen sein) so weiterleben wie bisher? Bin ich glücklich? Was erwarte ich vom Leben?

Die Welt – ein venezianischer Maskenball

So paradox es klingt, ist auch der »Corona-Mundschutz« nicht nur eine Einschränkung. Sie verleiht vielen auch Freiheit. Schon vor 900 Jahren boten Masken in Venedig Anonymität, die Konventionen aufhob. Sie erlaubt (a)soziales Verhalten, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. Nie erfüllte Bedürfnisse können ohne Scham gestillt werden. Der Gesellschaftsdruck lässt nach. Wir kennen dieses Schema teils aus anonymer Internet-Aktivität, aber dort gibt es eine entscheidende Sache nicht: Die fallenden Masken.

Wird die Maske abgenommen, wird jedem bewusst, wer der Träger wirklich ist. Ob am Ausgang des Supermarktes oder durch geleakte, politische Papiere. Früher oder später fällt die Maske – und wenn es daheim vor dem Spiegel ist.

Auch wenn es gewöhnungsbedürftig ist, ist dies eine gute Entwicklung. Denn wir haben die Möglichkeit, die zu werden, die wir wirklich sind. Geben wir auch unseren Mitmenschen die Möglichkeit aufzuhören, sich zu verstellen – erst mit, dann auch ohne Maske. Wir lassen uns und andere sehen, wie das System um uns herum wirklich funktioniert. Und wir können uns bewusst für oder gegen dieses entscheiden. Und genau diese Entscheidung wird in den 2020er Jahren getroffen werden müssen. Es wird für Viele darum gehen, in ihre Authentizität zu kommen.

Im Rahmen des Zukunftsprojektes definierten wir einen Weg als »Utopisch« und den anderen als »Dystopisch«. Aber diese Definition ist unsererseits vollkommen subjektiv. Wir müssen selbst entscheiden, ob das was wir bereits haben, weiter optimiert werden soll. Oder wählen wir einen vollkommen neuen Weg – in unbekannte Regionen? Dies führt zu der Entscheidung, ob wir die Verantwortung (inkl. Denken und Fühlen) für unser Leben übernehmen. Wenn nicht, übernimmt sie jemand anderes (inkl. Gedanken und Gefühle…).

Traumphasen-Metapher

Wenn wir schlafen, sind wir in der Regel unbewusst. Während dessen erleben wir Traumszenarien, die wir nicht aktiv beeinflussen. Vielmehr reagieren wir auf sie, gemäß unseren Gewohnheiten. Wir hinterfragen die Inhalte nicht. Im Schlaf ist der Trüb-Traum für die meisten eine vollkommen akzeptierte Realität. Hin und wieder passiert es, dass wir inmitten eines Traumes aus dem Schlaf gerissen werden. Zum Beispiel wenn Montag morgens der Wecker klingelt. Unser Unterbewusstsein versucht in solchen Fällen, das Klingeln in den Traum zu integrieren. Oft werden dadurch die Traumszenarien unglaubwürdig. Zum Beispiel, wenn die geträumte Katze plötzlich anfängt den Weckton zu maunzen. Es beginnt die Verwirrung. Wir beginnen an dem Traumszenario zu zweifeln. Nach kurzer Zeit der kognitiven Dissonanz begreifen wir, dass der Traum nicht real ist. Die Traumrealität verliert mit unaufhaltsamer Beschleunigung seine Gültigkeit. Dann passiert das Spannende: War der Traum ein schlechter, sind wir froh zu erkennen, dass der Traum nicht real war. Handelte es sich aber um angenehme Traumszenarien, sind wir genervt. So oder so, der Traum ist zu Ende. Wir schalten den Wecker aus und befinden uns in der Realität (?). Diese Analogie könnte man unter dem »Aufwachen der Gesellschaft« verstehen. Umso nachvollziehbarer ist es, dass viele von uns darauf keine Lust darauf haben. Wer will schon Montag morgens um 5 Uhr bei 10°C im Zimmer aus dem kuscheligen Bett aufstehen? Vor allem, um gegen 6 Uhr bei der Arbeit zu stehen.

Träume sind Schäume? Nein, Träume bilden unsere individuelle Sicht der erlebten Realität ab. Sie sind wichtig für unsere psychische Gesundheit. Wenn wir nicht hin und wieder »schlafen«, führt dies zu geistigen Verkrampfungen und schlimmstenfalls zu Wahnvorstellungen – da sich Realität und Trauminhalte vermengen. Wir können aber lernen, in diese Träume aktiv einzugreifen. »Klarträume« ermöglichen es, ihre Inhalte aktiv zu gestalten und uns auf die Wachphase vorzubereiten. Vielleicht probieren wir verschiedene Problemlösungen aus, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.

Der Trübtraum und Klartraum unterscheiden sich in einer entscheidenden Sache: Ersteres konfrontiert uns mit vollendeten Tatsachen. Der Klartraum hingegen ermöglicht die Gestaltung unserer erlebten Realität. Lässt sich das auch auf die Realität übertragen?

Geistige Evolution

Öffentliche Narrative, Trojaner, Gesellschaftsdruck und Informationsabhängigkeit: Unsere Wahrnehmung ist beinahe ausschließlich auf das »Außen« fixiert. Es ist schwer anhand externer Beobachtung zu bewerten, welche Informationen vertrauenswürdig sind und welche nicht. Zu guter Letzt scheinen sogar unsere eigenen Bedürfnisse unser Weltbild zu verzerren. Wie finden wir denn nun heraus was »wahr« ist und was nicht? Natürlich könnte man durch Statistiken und Analysen ein Verhaltensoptimum ermitteln. Auch außersinnliche Werkzeuge wie Remote Viewing können dabei helfen. Wenn da nicht das große »ABER« wäre: Diese Analysen müssen auch praktisch umsetzbar sein. Jeder muss vor der eigenen Haustüre kehren, um eine kollektive Wirkung zu erzielen. Damit das möglich wird, müssten wir wissen, wo diese »Haustüre« überhaupt ist.

Die Evolutionstheorie beschreibt die Entwicklung des Lebens. Beginnend mit Wesen, die in ihrer Umgebung treiben und sich gelegentlich teilen. Mündend in Herden, die sich der Umgebung anpassen können. Resultierend in Individuen: Sie können die Umgebung an sich anpassen. Die individuelle geistige Entwicklung folgt einem ähnlichen Prinzip:

Wir sind unserer Umgebung ausgesetzt. Schon im Mutterleib müssen wir mit den Informationen zurechtkommen, mit denen wir konfrontiert werden. Unschuldig nehmen wir jede Umgebungsveränderung als gegeben hin. Wir fühlen uns hin- und hergerissen, haben noch keinen eigenen Standpunkt; ähnlich dem, wenn Mama und Papa sich streiten. Als Kind können wir noch keine Partei ergreifen, wir werden höchstens von den Parteien beeinflusst. Ohne Lebenserfahrung und Wissen um die Dualität, wirft uns das Leben von einem Extrem ins andere. Und das ist gut so, denn in einem stillen Teich ohne Wellen, lernen wir nicht gegen die Strömung zu schwimmen.

Und wir schwimmen gegen die Strömung. Das Phänomen der Pubertät zeigt es deutlich. Jede Art von Autorität wird untergraben. Diese muss nicht vermenschlicht sein. Auch Informationen, die das Gefühl vermitteln die eigene Persönlichkeit zu übertrumpfen, werden bekämpft. Grundsätzlich gilt, wenn da was Weißes ist, dann sind wir prinzipiell auf der schwarzen Seite. Und das ist der Kern; es geht ums Prinzip – nicht um die Inhalte. Wer über Stadium 2 nicht hinauswächst, findet sich gern in angesprochenen Extremen wieder. Und haben wir uns erst einmal daran gewöhnt, verlassen wir unsere Position nicht wieder. Veränderung erzeugt Angst, die Angst wieder ins Stadium 1 zurückzufallen.

Wir beginnen unsere eigenen Standpunkte zu hinterfragen. Anfangs nur den Standpunkt selbst. Stellen wir fest, dass unsere Standpunkte nicht förderlich sind, weisen wir die Verantwortung an die Galionsfigur des jeweiligen Standpunktes ab (z.B.: Eltern, Vorbilder, Lebenspartner, Gruppenleiter, Arbeitgeber etc.). Wir verändern unsere Standpunkte und gehen dorthin »wo das Gras grüner ist«.

Nun haben wir sehr oft unsere Umgebung gewechselt. Zudem auch viele Menschen für unsere Probleme verantwortlich gemacht. Wir hören auf, die Standpunkte anderer zu hinterfragen. Hier ist Vorsicht geboten. Denn oft bleiben wir genau hier stecken und »finden uns damit ab«. Gehen wir einen Schritt weiter beginnen wir uns selbst zu hinterfragen. Wir kommen erstmals mit Bewusstseinstools in Kontakt; Buddhismus, Achtsamkeitslehre, Psychologie, NLP etc. Wir beginnen zu begreifen, dass wir durch unsere Ansichten die Welt anders wahrnehmen (können).

Wir erreichen den Zustand des »Ich seins« in jeder individuellen Situation. Wir erkennen die Situation im Außen und im Innern. Wir wissen wie diese Faktoren Wechselwirken. Und wir können diese kontrollieren. Wir differenzieren und müssen keiner Polarisation folgen. Dennoch dürfen und können wir uns geistig frei bewegen (freier Wille). Für das Alltagsbewusstsein und ein angenehmes Gesellschaftsleben reicht die Evolution bis zu diesem Stadium aus.

Ab diesem Entwicklungsschritt wachsen wir über uns selbst hinaus. Wir beginnen langsam, durch unseren Geist in die Umgebung einzuwirken: Wir wachsen an unseren Erfahrungen. Vorsicht! Nicht die Erfahrungen wachsen, sondern wir. Ein Mensch mit viel Erfahrung ist nicht automatisch »erwachsen«. Hier geht es darum, sich selbst weiterzuentwickeln, indem wir unseren Erfahrungen Qualität zusprechen. Frei nach dem Motto, »jede Situation ist ein Lehrer«. Je ernster wir dies nehmen, umso weniger Situationen müssen erlebt werden (deshalb erscheinen Kinder oft erstaunlich weise).

Wir lernen, dass es nicht darum geht, Ziel X oder Y zu erreichen. Es geht nicht darum seinen eigenen Willen durchzusetzen (Kopf durch die Wand), sondern darum, die Situation so zu sehen, wie sie ist. Wir können dann frei wählen, ob wir sie genießen oder darunter leiden wollen – der Weg wird zum Ziel. Wir haben einen anpassungsfähigen Geist entwickelt und können uns die Welt gewissermaßen so gestalten, wie wir wollen (was nicht heißt, dass uns alles egal ist).

Ganzheit, im Sinne der höchstmöglichen Perspektive. Alles Erfahrbare wurde erfahren, alle bekannten Möglichkeiten durchlaufen. Auch als »kosmische All-Einheit« oder »Alles-was-ist« bekannt. Dieses Stadium erreichten nur sehr wenige Menschen in der Historie. Und das auch nur durch eine Lebensweise, die mit unserem regulären Alltag nicht vereinbar ist. Für gewöhnlich erleben wir lediglich vereinzelte Momente dieser Art. Etwa im Rahmen von Nahtoderlebnissen, außerkörperlichen Erfahrungen oder sehr intensiven Meditationen. Dieser Punkt hat keine direkte Bedeutung für die Veränderungspotentiale des menschlichen Bewusstseins in den 2020ern. Denn hier geht es um Prozesse der menschlichen Selbsterkenntnis (als Individuum und als Spezies), was an die Rollenerfahrung innerhalb einer (scheinbaren) Getrenntheit gekoppelt ist.

Evolutionsbremsen und -Beschleuniger

Angenommen, wir haben uns bis dato keine Gedanken zu unserem innerem Selbst gemacht. Angenommen, wir sind zufällig über diesen Artikel gestolpert. Wir könnten uns die Frage stellen: »Wann, wenn nicht jetzt?«  Begeben wir uns auf die Reise, die Reise vom Makrokosmos in den Mikrokosmos. Denn es ist nie zu spät, mehr aus sich zu machen.

Als Einstieg folgen als Hilfestellung einige Grundlagen, die von Vielen als obligatorisch gesehen werden dürften (was ein gutes Zeichen ist). Beginnen wir mit einer kleinen Auflistung von entwicklungsfördernden und entwicklungshemmenden Faktoren:

Entwicklungsfördernde Faktoren

• Beständige Selbstreflexion, mit dem Ziel der Selbsterkenntnis

• Zu möglichst gleichen Anteilen nach Innen und nach Außen schauen (das so genannte “Hubble-Syndrom“ vermeiden, wo immer weiter nach Außen geschaut wird, während man sich zusehends von sich selbst entfernt)

• Bewusst und selbsthinterfragend sein, aber auch äußere Missstände erkennen, aufzeigen und nach eigenen Möglichkeiten ändern

• Ziellose (stagnierende) Strömungen und Konzepte als solche erkennen und dagegen “schwimmen“

• Etablierte Strukturen, Dogmen und Überzeugungen möglichst objektiv betrachten und ggf. hinterfragen

• Alle Aspekte in sich integrieren und transformieren, ohne unbequeme Bereiche auszusperren (“Schattenarbeit“)

• Innere und äußere Eigenverantwortung übernehmen und seine Realität selbst gestalten (sonst tun es Andere)

• Das Hier und Jetzt bewusst betrachten. Warte nicht auf einen »Großen Wandel« (wenn es so etwas wie einen »Großen Wandel« gibt, besteht er meiner Meinung nach aus vielen kleinen Mosaiksteinchen, die aktiv aneinandergefügt werden müssen).

• Das Neutralitätsprinzip und Differenzierungsvermögen verstehen und anwenden lernen

Entwicklungshemmende Faktoren

• Unverifizierte Glaubenssätze und Mystifizierungen aufbauen, selbst wenn Verifikationsmöglichkeiten vorhanden sind

• Sich unbewusst und unreflektiert von außen mit Informationen »bombardieren« lassen, ohne Eigenrecherche und Quellenvielfalt

• Herdenartig unbewusst und unreflektiert dem am stärksten forcierten Narrativen folgen

• Von der Beschäftigung mit sich selbst ablenken (z.B. durch äußeres “Zudröhnen“) bzw. diese aus Furcht meiden

• Die Eigenverantwortung auf das »Schicksal«, äußere Umstände, Götterbilder, Führerfiguren, Systeme etc. abschieben

• Völlige Selbstaufgabe und nur noch Anderen helfen wollen (Helfersyndrom und fehlender Energieausgleich, bis alles aufgebraucht ist)

• Reine Fixierung auf nur ein geistig-emotionales Extrem (z.B. ausschließlich »Licht und Liebe« oder nur »Schatten und Finsternis«).

Über entwicklungsfördernde und -hemmende Faktoren wurde bis in die Historie hinein debattiert. Unzählige Schriften wurden mit Philosophien gefüllt. Daher kann dieser kleine Überblick keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Dennoch dient sie als Ausgangsbasis für die nun folgenden »geistigen Werkzeuge«. Genauer gesagt »Werkzeuge der persönlichen Innenwelt«. Denn sie wirken aus uns selbst heraus. Sie helfen uns mit äußeren Informationen umzugehen, sie einzuordnen und zu bewältigen.

Kapitel 3/3 – Metaposition

Bewusst Sein

Was können wir konkret tun, um die Zeitqualität der 2020er für uns zu nutzen? Wir können Privatsphäre beanspruchen. Wortwörtlich eine Sphäre, in der wir privat sein dürfen. Der Tag hat 24 Stunden. Die Meisten von uns investierten acht Stunden in den täglichen Schlaf. Weitere zehn Stunden verschwinden in unsere Arbeit (inkl. Fahrtzeiten). Die nächsten drei Stunden wenden wir für sonstige Dinge auf. Die Übrigen drei Stunden zerfließen zwischen Social Media, Prokrastination und Redundanz.

Warum beanspruchen wir nicht ein klein wenig tägliche Zeit für uns (vielleicht eine Stunde)? Zeit ohne Ablenkungen durch Smartphones, PCs, TV-Programme; kurz gesagt, Informationsschleudern. Widmen wir uns eine Stunde am Tag unseren inneren Wünschen und Bedürfnissen. Wir wollen stets, dass andere uns ernst- und wahrnehmen. Warum machen wir das in unserer Privatsphäre nicht mal selbst? Wir kommen zur Ruhe und lernen uns kennen. Diese Privatsphäre ist im Übrigen so Mobil wie unser Smartphone, trotzdem traut sich kaum jemand, im laufenden Alltag kurz innezuhalten. Wir könnten ja was verpassen. Aber ganz im Ernst; fünf Sekunden kann die Umwelt gut auf uns verzichten. Das hat nun nichts mit »Isolation von der Umwelt« zu tun.

Innenschau

Während also draußen die stürmischen Zeiten vorbeiziehen, beanspruchen wir ein wenig dieser Zeit für uns selbst. Wir ergründen, wer wir sind, was wir wollen, und warum wir hier sind. Hören wir in dieser Zeit auch anderen Menschen zu. Wir lassen uns auf ihre Beweggründe ein – ohne sie gleich zu verurteilen. Es ist faszinierend festzustellen, wie ähnlich unsere Ziele sind. Oft unterscheidet uns nur der Weg dorthin. Können wir uns vorstellen, dass ein Rechtsextremist und Linksextremist heimlich befreundet sein können? Ja – dies ist eine wahre Begebenheit, weswegen die beiden sich genötigt sahen, einen psychologischen Berater aufzusuchen (!?).

Trotz dieser Gemeinsamkeiten bleiben wir für uns selbst verantwortlich. Nur wenn jeder Einzelne in seine eigene Kraft kommt, kann eine Gemeinschaft stark sein und bleiben (der altbekannte Spruch mit dem schwächsten Glied in der Kette ist echt fies, in einigen Situationen aber leider wahr). Erkennen wir uns selbst, stoßen wir auf unsere Potentiale. Wir lernen unsere Bedürfnisse und Schwachpunkte kennen. Wir wissen um unsere Fähigkeiten und Beiträge, die wir leisten können. Welche Handlungen unterstützen bei der Innenschau? Hier einige von vielen Methoden, die nach individueller Affinität angewendet werden können:

Wer regelmäßig meditiert, kann seinen Geist beruhigen. Das Selbst kann von dem Chaos dort draußen entwirrt werden. Innere Konflikte und ihre äußeren Trigger lassen sich auflösen. Es gibt unzählige Meditationstechniken und Hilfsmittel. Darunter zum Beispiel Traumreisen oder binaurale Beats. Meditationen können von der einfachen Verjüngung des Geistes im Alltagsstress, bis zur tiefsten Selbsterkenntnis führen.

Bei der Methode des Dunkel-Retreats verbringt man längere Zeit in absoluter Dunkelheit und Abschottung von der Außenwelt. Die Sensorische Isolation lässt nur eine Beschäftigung zu: Die Auseinandersetzung mit sich selbst. Diese Methode ist sehr radikal und daher nicht für jeden geeignet. Sie wird manchmal sogar als Foltermethode eingesetzt. Der Geist setzt sich während des Retreats nicht selten mit den dunkelsten Aspekten auseinander. Es empfiehlt sich daher eine entsprechend fachkundige Begleitung.

Die Alternative zum Dunkel-Retreat, lässt sich mit Schlafmaske und Ohrenstöpseln umsetzen. Hierbei verbringt man täglich eine gewisse Zeit ohne sensorische Ablenkungen. Der Effekt ist deutlich schwächer als beim Retreat – ist aber auch weniger radikal. Im Übrigen sollte man diese Methode weder zur Schlafenszeit, noch im Bett anwenden. Dabei einzuschlafen ist nicht Sinn der Übung.

Sollten Finanzmittel und Raum vorhanden sein, bieten sich auch technisch unterstützte Lösungen an. So können z.B. schall- und lichtdichte Kammern errichtet werden, die den CHEC-Units am Monroe Institut ähneln. Noch spezieller wird es bei so genannten Floating Tanks (auch als Samadhi Tanks bekannt). In denen schwebt man sensorisch isoliert auf Salzwasser, wodurch sogar taktile Eindrücke schwinden. Dort bewegt man sich jedoch schon im sehr hochpreisigen Segment.

Das sind nur einige wenige Beispiele. Wir Menschen haben schon seit Anbeginn der Geschichte verschiedenste Techniken und Rituale verwendet, um unserer inneren Erkenntnis näherzukommen. Was davon am besten funktioniert, müssen wir jeweils für uns selbst herausfinden. Das Wesentliche ist jedoch, sich überhaupt schonmal mit der Innenschau zu befassen. Denn schon dadurch verändern wir unser Sein und werden weniger anfällig. Äußere Einflüsse, Ablenkungen und Manipulationen können uns nicht mehr allzu leicht mitreißen.

Gleichgewicht

EntwicklungsmotorDie angesprochene Innenschau soll nicht andeuten, dass wir generell äußere Ereignisse ignorieren oder verdrängen sollten. Wir wollen nicht vergeistigen. Spätestens physische Außeneinflüsse würden uns überraschen und schnell entwurzeln (beispielsweise wäre meditieren beim Autofahren keine gute Idee). Andererseits führt ein zu starker Fokus auf das Äußere dazu, dass wir immer mehr von uns selbst wegdriften (Hubble-Syndrom). Jedoch gelingt es aktuell nicht vielen, ein gesundes Gleichgewicht zwischen innen und außen zu leben.

Karten auf den Tisch: Zahlreichen Konsumenten der alternativen und öffentlichen Medien fehlt es an starken, inneren Wurzeln. Weltbilder aus Angst und Schrecken, Verschwörungen und Boshaftigkeiten hinterlassen Narben im Geist. Nicht selten gehen diese mit schweren psychischen Erkrankungen einher. Stabile Wurzeln im Inneren sind daher gleichbedeutend mit einem starken Rüstzeug im Außen.

Um noch eine wissenschaftsaffine Analogie zu bringen: Ein leistungsstarkes Mikroskop ermöglicht eine tiefgehende Sicht nach innen. Ohne ein gleichwertig starkes Teleskop, entgeht uns jedoch die Hälfte des kosmischen Raums. Deshalb sind Neutralität und Differenzierungsvermögen die wichtigsten Werkzeuge für ein gesundes Gleichgewicht zwischen dem Innen und der Außenwahrnehmung.

Neutralitätsprinzip

Neutralitätsprinzip

Das Neutralitätsprinzip meint eine Position zwischen zwei Extremen. Zwischen strahlend Weiß und Vanta-Schwarz, gibt es noch den grauen Standpunkt. Hier befinden wir uns in einer wertungsfreien Meta-Position: »Kann ich nicht wissen« bzw. »Kann sein, kann aber auch nicht sein«.

Hier haben wir die Freiheit über alle Themen und Hypothesen zu diskutieren, ohne uns für einen Standpunkt entscheiden zu »müssen«. Auf diese Weise lernen wir das Gesamtbild einer Thematik kennen. Statt uns nur mit einem meinungsbasierenden Ausschnitt zufriedengeben zu müssen. Von dieser neutralen Meta-Position aus, ist ein unbefangenes, sachliches und vor allem lösungsorientiertes Arbeiten an jeder Thematik möglich. Tatsächlich, so scheint es, liegen die besten Lösungen zwischen den Extremen. Man befreit sich also vom Dasein als Spielball der Extrempositionen.

Im Übrigem kann sich auch eine scheinbar graue Position bei genauerer Betrachtung als »extrem« zeigen. Zum Beispiel von jenen, die sich komplett herauszunehmen bzw. eine Thematik vollständig ablehnen, ohne sich mit dieser beschäftigt zu haben. »Glaub ich nicht« oder »So ein Schwachsinn«, sind populäre Äußerungen, um ein Thema vollständig »abzuwatschen« ohne sich irgendeine Position ansehen zu müssen. Sehr beliebt bei (Pseudo-) Skeptikern, die jeden näheren Kontakt mit einem Thema scheuen. Das ist in dem Fall keine neutrale Meta-Position mehr, sondern Ignoranz.

Differenzierungsvermögen

Das Neutralitätsprinzip erlaubt uns einen Überblick über alle bekannten Fakten. Im Idealfall bleiben wir dadurch frei von Bewertung der Informationen. Gelingt dies, sprechen wir von »Differenzierungsvermögen«, einem der wichtigsten Werkzeuge für die Auswertung von Fremdinformationen.

Differenzierungsvermögen erlaubt uns das Erkennen von Kausalität und Korrelation. Kausalität meint einen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung. Korrelation hingegen, ist ein Effekt der parallel zu einer Ursache auftritt, aber nicht zusammenhängt:

Differenzierungsvermögen

Korrelation: Im Sommer nehmen die Verkäufe von Speiseeis zu. Auch die Fälle von Sonnenbränden steigen. Die Ursache der Sonnenbrände: Das Speiseeis?

Kausalität: Im Sommer steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen Eis essen und einen Sonnenbrand bekommen. Ursache: Die Sonne!

Wir Menschen neigen dazu, diese beiden Dinge zu verwechseln. Ursächlich durch festgefahrene Meinungsbilder, Gewohnheiten und allen voran starke Emotionen und fehlendes Wissen. Am häufigsten dann, wenn es darum geht, den eigenen Standpunkt zu verteidigen oder den eines anderen zu demontieren.

Natürlich ist Differenzierungsvermögen in allen Lebensbereichen erstrebenswert. Besonders wichtig ist es aber im wissenschaftlichen Vorgehen und dem Umgang mit großer Informationsvielfalt. Das gilt vor allem im grenzwissenschaftlichen Bereich und der alternativen Szene. Gerade dort ist es unabdingbar, neue Erkenntnisse differenziert zu erarbeiten, denn rein emotionale Argumente können leicht »belächelt« werden. Bei nachweisbaren Fakten wird das hingegen etwas schwieriger.

Wie bereits angesprochen, können Korrelationen sehr glaubwürdig wirken – insbesondere, wenn sie mit unseren Gefühlen einhergehen. Auch wenn sie faktisch in keinem direkten Zusammenhang stehen. Deshalb ist hier besondere Vorsicht geboten. Manipulation funktioniert am besten über unsere Emotionen. Wenn eine Information also hauptsächlich emotionalisierend transportiert wird, sollte die dahinterliegende Absicht umso stärker hinterfragt werden.

Disclaimer und Schlussworte

Da in den angesprochenen Themen einige Schlagworte verwendet wurden, weisen wir explizit auf folgendes hin:

Mit »Bewusstseinsarbeit« ist hier keine Verdrängung oder Bagatellisierung des aktuellen Weltgeschehens gemeint. Sie setzt sich mit der Wechselwirkung der eigenen Psyche und äußeren Begebenheiten auseinander. Das bedeutet: Wie beeinflussen äußere Faktoren das eigene Fühlen und Denken? Und wie drücken diese sich im individuellen Handeln aus?

Ferner beziehen wir bewusst keinerlei Partei, in irgendeiner Hinsicht. Wir hinterfragen lediglich die zugrundeliegenden Intentionen. Genannte Parteien wurden bewusst in Kontrast zueinander gesetzt. Dies dient zur Veranschaulichung von Unterschieden und Gemeinsamkeiten.

Abschließend: Wir haben darauf hingewiesen, dass Informationsquellen (egal aus welcher Richtung) nicht unreflektiert konsumiert werden sollten. Auch dass sie manchmal triggern / emotional korrelieren.

Dieser Artikel hier ist ebenfalls eine solche Informationsquelle (!).

Artikel auch als Lesung:

2020-06-02T08:55:25+02:00Mai 21st, 2020|Allgemein, Coaching, Coordinate Remote Viewing, Magie|